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Eine jüdische Hochzeit
"Seid fruchtbar und mehret euch, und füllet die Erde" (1.Buch Mose) -
es ist eine göttliche Absicht, die menschliche Gattung zu Vermehren, deren
Verwirklichung die Juden durch die Eheschließung Ausdruck verleihen. Der
Hochzeit kommt somit besondere Bedeutung zu, weshalb sogar das Tora-Studium
unterbrochen werden darf, um mit den Brautleuten zu feiern. Im Judentum wird die
Ehe als wesentliche Grundlage für eine gesunde Existenz, als Mittel gegen
Einsamkeit betrachtet. Im Talmud kann man lesen, dass jeder, der keine Frau hat,
ohne Freude, ohne Glück, ohne Seligkeit lebt. Sich der Fortpflanzung zu
verweigern, gilt ohnehin als Sünde.
Der
Hochzeitstag wird in orthodoxen Kreisen besonders gern auf einen Dienstag
gelegt, da in der Bibel über den 3. Schöpfungstag die Worte "ki tow",
"und Gott sah, dass es gut war" wiederholt werden. Allerdings ist das
Heiraten zwischen Pessach und Schawuot verboten, da diese Zeit teilweise als
Trauerzeit gilt, in der Eheschließungen verboten sind. Wissenschaftler vermuten
einerseits, dass die Niederlage gegen die römische Besatzungsmacht (134
n.Chr.), bei der viele tausend Soldaten ihr Leben verloren, in diese 7 Wochen
fiel und sie deshalb für die Juden heute eine Zeit des Gedenkens bedeutet.
Andererseits sollen einem römischen Aberglauben nach in der sefira (Zählung
der 49 Tage zwischen den beiden Festen) die Seelen der Verstorbenen auf die Erde
zurückkehren und den Lebenden Schaden zufügen. Nur selten wird zwischen Rosch
ha-Schana und Jom Kippur geheiratet. Von vielen Juden werden diese 10 Tage als
Moment der ernsten Besinnung angesehen, was keinesfalls zum Geist der
Ausgelassenheit, wie er zu Hochzeiten oftmals herrscht, passt.
Die Eheschließung bedeutet für Braut (kala) und Bräutigam (chatan) einen
Neubeginn, den Anfang einer Reise. So hat sich die Tradition herausgebildet, am
Hochzeitstag zu fasten, um wie zu Jom Kippur die Vergebung der begangenen Sünden
zu erbitten.
Die Hochzeitszeremonie, von einem Rabbiner geleitet, wird meist im Freien
durchgeführt, um Gottes Segen zu erhalten. Sie findet unter der Chuppa statt,
ein von vier Stangen gehaltener Hochzeitsbaldachin aus verzierter Seide, Satin
oder Samt. Obwohl das Wort Chuppa ursprünglich "mit Girlanden schmücken"
bedeutet, wollen die Juden hiermit auch an die alten Israeliten erinnern,
die noch in Zelten lebten, sowie an die Beduinen, welche für das Brautpaar ein
besonderes Zelt errichteten. Als Schutzsymbol für die Frau wird manchmal auch
der Tallit als Chuppa benutzt, der im modernen Israel auf vier Gewehren
hochgehalten wird.
Unter dem Baldachin trägt der Bräutigam ein einfaches weißes Kleid, ein
Ausdruck von Reinheit, was den Mann ebenso an Ehrlichkeit im neuen
Lebensabschnitt erinnern soll. Die Braut dagegen verhüllt ihr Gesicht mit
einem Schleier, der ihr vollstes Vertrauen in ihn zeigt. Im ersten Teil der
Zeremonie, der Erussin (Angelobung ) spricht der Rabbiner den Segen über
einen Becher Wein, aus dem beide Brautleute trinken. Dann folgt im Beisein der
zwei männlichen nicht mit dem Paar verwandten Zeugen der eigentliche Rechtsakt.
Der Mann streift der Frau einen Ring auf den Zeigefinger der rechten Hand und
sagt dabei: "Durch diesen Ring bist du mir angelobt nach dem Gesetz Moses
und Israels." Danach verliest der Rabbiner den Ehevertrag, die Ketubba, der
danach vom Bräutigam an die Braut ausgehändigt wird. Mit der Ketubba
verpflichtet sich der Mann seine Frau zu ehren, zu kleiden, zu ernähren und
ihre sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Außerdem verspricht er, der Braut
200 Sus zu geben. Dadurch ist die Frau finanziell abgesichert. Beim Tod des
Mannes oder im Falle einer Scheidung wird ihr die gesamte Ketubbasumme
ausgezahlt. Wenn aber die Frau eine Scheidung verursacht, erlischt ihr Anspruch
auf die Ketubbasumme.
Die eigentliche Eheschließung (Nissuin ) folgt darauf. Der Rabbiner spricht die
sieben Hochzeitssegenssprüche, und wieder trinkt das Brautpaar einen Schluck
Wein.
Am Ende der Zeremonie zerbricht der Mann ein Glas, was an die Zerstörung des
Tempels in Jerusalem erinnern soll. Zugleich mahnt es aber auch die
Menschen, heitere Moment durch nüchterne Gedanken dämpfen zu müssen. Im
Mittelalter versuchten die Leute mit dem Lärm die angeblich aus Norden
kommenden bösen Geister zu vertreiben. Mit masel tow ("viel Glück")
bei den Aschkenasen oder siman tow ("gute Aussichten" ) bei den
Sephardim werden Braut und Bräutigam dann in den Bund der Ehe verabschiedet. In
manchen Kulturen wird das Paar zudem mit Reis und Wallnüssen beworfen, die
allgemein als Fruchtbarkeitssymbole gelten.
Das Judentum sieht eine Scheidung nicht mit freundlichem Auge. Nach dem Talmud
gilt die Ehe als heiliger Vertrag, dessen Auflösung ein unfrommer Akt wäre.
Näheres zum Thema Hochzeit und Scheidung unter http://www.payer.de/judentum/jud502.htm
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