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Wer ist ein Jude?
1. Ein Jude ist ein Anhänger der ältesten monotheistischen
Religion, das heißt der Religion, die sich nur einem einzigen Gott verpflichtet hat.
2. Wer von einer jüdischen Mutter geboren wurde, ist automatisch
Mitglied der jüdischen Gemeinschaft und somit Jude.
3. Ein Jude zeichnet sich durch Toratreue (Tora = die heilige Schrift,
Gebetsbuch) und einem Leben nach der Halacha aus. Er versteht sich über das Religiöse hinaus,
auch im nationalen Sinne, als Angehöriger des Volkes Israel. Das "Jude
sein" bezieht sich nicht auf ein Land oder
einen Staat. Jude sein bedeutet, die jüdische Religion zu leben, dabei ist es egal in welchem Land man lebt. Man muss als Jude nicht unbedingt in Israel leben, um als Jude anerkannt
zu werden.
4. Im Nationalsozialismus sah man im Judentum eine "biologische Rasse",
wobei man hinzufügen muss, dass sich eine Rasse nicht nach der Religion richtet und diese nationalsozialistische
Definition somit falsch ist, wenn man bedenkt wie viel Leid dadurch dem jüdischen Volk angetan wurde.
5. Auch wer zum jüdischen Glauben übergetreten ist und nach
den jüdischen Sitten und Gebräuchen lebt, darf sich als
Jude bezeichnen.
Strömungen des Judentums
Gründe zur Entstehung dieser Richtungen:
- Einheit des jüdischen Volkes wurde durch:
* Öffnung der Ghettos
* rechtliche Gleichstellung der Juden mit anderen Staatsbürgern
* Zeit der Aufklärung und deren Idee der Gleichheit aller
Menschen von innen und von außen in Frage gestellt
=> beginnende Assimilation (Anpassung) an die Umwelt
=> tiefe Einprägung bei neuzeitlichen Juden
- traditionell-gläubige Juden wurden zur Minderheit
Das Reformjudentum
- vor Beginn des 19.Jh. in Westeuropa entstanden
- nach Ideen des jüdischen Intellektuellen Moses Mendelssohn
=> Anpassung der Juden an westliche
Kultur
=> keine Absonderung von den Nichtjuden
- Hauptanliegen: Umgestaltung des synagogalen Gottesdienstes
=> sollte würdiger und beschaulicher
werden
Vorbild: protestantische
Kultur Norddeutschlands
=> es gab Choräle mit ausgebildetem
Chor; eine Orgel
=> Predigt in deutscher Sprache
erste reformierte
Gottesdienste 1810 Seesen in Thüringen,
ab 1815 in Berlin
(aber nur in privaten Kreisen)
=> glauben nicht, dass die Tora , die von Gott überbrachte Wahrheit
ist
=> lehnen jüdische Speisegesetze und Vorschriften über Reinheit
und Kleidung ab
Konservatives Judentum
- religiöse Strömung zwischen Reformjudentum und Orthodoxie
- Entstehung um 1845 in Deutschland
- ist vor allem in USA vertreten; "Jewish Theological Seminary" in
New York = geistiger Mittelpunkt des konservativen Judentums
=> Vorbild war Breslauer Seminar (erste akademische Ausbildungsstätte
für Rabbiner in Deutschland)
- 1851 Gründung "Monatsschrift für die Geschichte der Wissenschaft
des Judentums" von Zacharias Frankel (1854 Direktor des "Jüdisch-Theologischen
Seminars" in Breslau) als das große internationale Organ der Wissenschaft
des Judentums
- Ziel : * Bewahrung traditioneller jüdischer Bräuche
* Vereinbarung dieser
mit modernen Erkenntnissen und Lebensumständen
"The book of Jewish knowledge" dient als Grundlage
=> erfüllen jüdische Speisegesetze mit kleinen Abweichungen (Kaschruth)
=> begehen Sabbat und Feste in traditioneller Weise
=> Männer und Frauen sitzen während des Gottesdienstes zusammen
=> wollen viel von der religiösen Überlieferung bewahren
=> sehen Religionsgesetze als Garantie für den Zusammenhalt des
Judentums
- in Israel verhindern orthodoxe Religionsmonopole die Bildung konservativer
Gemeinden
Orthodoxes Judentum
=> feste Überzeugung, dass der Messias ("Erlöser") erscheinen
und für Israel ein goldenes Zeitalter herbeiführen wird.
=> durch Meinungsverschiedenheiten entstanden verschiedene Strömungen
innerhalb der orthodoxen Bewegung ( z.Bsp. Chassidismus)
- Tora = Essenz (Geist) des Judentums
=> peinliche Einhaltung der kleinsten Gebote
=> Ablehnung von Aufklärung, Emanzipation, Reformjudentum und
Assimilation
- bilden Minderheit, wurden dennoch in Einheitsgemeinden integriert
=> besondere Gottesdienste in Synagogen ohne Orgel
=> besonders gesetzestreue Rabbiner werden angestellt
=> strenge Trennung der Frauen von den Männern während
des Gottesdienstes
=> Hebräisch ist einzige Kultsprache
Was lässt sich Allgemeines zum Judentum
sagen?
Verteilung auf der Erde: 1995
13,9 Millionen Juden
=> 6,1 Mio. in den USA und Kanada
=> 2,5 Mio. in Europa ( 0,3 Mio. in Großbritannien; 0,6 Mio. in
Frankreich;
1,25 Mio. in ehemaliger Sowjetunion)
=> 4,4 Mio. in Israel
=> 0,45 Mio. in Südamerika
=> 0,2 Mio. in Afrika
=> Rest verstreut über die ganze Welt
Der jüdischen Religion gehören, global gesehen, nur eine kleine
Zahl Anhänger an. Trotz dessen ist die religiöse und glaubensgeschichtliche
Bedeutung des Judentums außerordentlich groß, da das Judentum
den Ursprung für das Christentum und den Islam darstellt. Das Judentum
ist die kleinste Weltreligion, heute gehören ihr ca. noch 13,9 Millionen
Gläubige an, das entspricht 0,4 % der Weltbevölkerung. Davon lebt ca.
die Hälfte in Nord- und Südamerika, jeweils ein Viertel ist auf Europa und
Asien (hauptsächlich Israel) verteilt.
Die Schwierigkeit bei dieser Religion liegt darin, dass im Laufe der
Geschichte die Juden über die ganze Welt zerstreut wurden, dabei wird
die jüdische Identität vornehmlich ein Problem der Religionszugehörigkeit.
Die Besonderheit dieser Religion liegt darin, dass die Juden schon
seit der Antike ein Volk mit einer eigenen Religion sind.
verfasst von: Ellen Eichhorn, Katja Lukaschewski und Martin Polter
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