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Verbrecherische
Humanexperimente
in Konzentrationslagern
1. Einleitung
2. Fleckfieberversuche in Buchenwald
3. Sulfonamid -Versuche in Ravensbrück
4. Höhendruck- und Unter- wasserversuche in Dachau
5. Sterilisationsversuche in Auschwitz
6. Fazit
Einleitung
Die typische ärztliche Tätigkeit in einem Konzentrationslager bestand in der Betreuung der Wachmannschaften, sowie
in der Versorgung und Aufsicht der Häftlinge, jedoch waren
die bereitgestellten Mittel zur Versorgung unzureichend und minimal. Das
Hauptanliegen vieler Ärzte bestand deshalb in der
Vermeidung der Ausbreitung von Krankheiten und in der raschen Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit
der
Erkrankten. Unter den Ärzten herrschte eine Geringschätzung des menschlichen Lebens, da sie selbst schwerste körperliche
Misshandlungen und Tötungen durchführten. Mit dem Beginn des Aggressionskrieges gegen die UdSSR
verschärfte sich das Tätigkeitsspektrum der "Ärzte", welche nun Selektionen der eintreffenden Transporte, Aufsichten über
Vergasungen und Auswahl der Häftlinge für Experimente durchführten, wobei oft
jegliche ethischen und moralischen Vorsätze immer mehr in Vergessenheit gerieten.
Charakteristisch für die medizinischen Experimente, die an Häftlingen
durchgeführt wurden, waren folgende Punkte:
- Versuche wurden ohne Aufklärung und Einverständnis des Probanden vorgenommen
- Risiko des Todes oder schwerwiegender Schäden wurde von Beginn an in Kauf
genommen
- keine wissenschaftliche Begründung und Gestaltung der Versuche
- hygienische Zustände und gesundheitliche Einschätzungen wurden außer Acht gelassen
- Experimente wurden durchgeführt, obwohl bereits sichere wissenschaftliche
Erkenntnisse vorlagen
- ausgeprägte Skrupellosigkeit in der Wahl der Methoden
- Fehlen jeglicher Art von Fürsorge oder Nachbetreuung.
2. Fleckfieberversuche in Buchenwald
Prof. Gildemeister (Präsident Robert-Koch-Institut Berlin): "Da der Tierversuch keine ausreichende Wertung von
Fleckfieberimpfstoff zulässt, müssen die Versuche am Menschen durchgeführt werden."
Bis Ausgang des Jahres 1944 fanden 24 Versuchsreihen mit wechselnder Personenzahl, meist 40 - 60 Menschen in einer
Gruppe, statt. Mit der Ausführung der Experimente wurde SS-Sturmbannführer Dr. Ding-Schuler beauftragt.
Der Fleckfieberimpfstoff hatte verschiedene Herkunftsorte. Hergestellt wurde er aus:
- Hühnereidottersackkulturen (Behringwerke)
- Läusedärme (Krakau)
- Kaninchenlungen (Institut-Pasteur, Paris)
- Hundelungen/Mäuseleber (Robert-Koch-Institut, Berlin)
Auf der Versuchsstation (Block 46) wurden ca. 1000 Versuchspersonen auf folgende Art "behandelt":
Es wurden 3 Gruppen gebildet, welche alle mit Fleckfiebererregern infiziert wurden. Die 1. Gruppe blieb anschließend
unbehandelt, während die 2. Gruppe den zu überprüfenden Impfstoff verabreicht kam. Die 3. Gruppe galt als
"Passage"-Gruppe, was bedeutete, dass sie Fleckfiebererregerstämme injiziert bekamen, um sie für weitere Versuche mit
Krankenfrischblut verfügbar zu machen. Die Erreger wurden direkt in den Muskel, unter die Haut,
durch Hautabschürfungen (mittels Impflanzette) oder intravenös eingespritzt. Folgen waren, dass fast alle aus
der Gruppe 1 und 2 starben. Alle anderen behielten trotz Impfung schwere gesundheitliche Schäden, dauernde
Herzschwäche, Verlust des Gedächtnisses oder Lähmungen, zurück. Die zur Laborarbeit gezwungenen Häftlinge (meist politische)
standen unter ständiger Infektionsgefahr, waren aber materiell bevorzugt, das heißt, sie hatten ein eigenes Bett,
frische Bettwäsche und "Gefahrenzulage" in Form von 80g Zucker, 64g Fett, 400g Brot wöchentlich mehr und wenn sie
es nicht ablehnten, bekamen sie das auf 120 Grad erhitzte Fleisch des fleckfieberinfizierten Kaninchens, die nach
Herausnahme der Lunge hätten verbrannt werden sollen. Der wissenschaftliche Wert dieser
Fleckfieberexperimente lag bei Null oder war sehr gering, da die Infektionsverfahren irrsinnig waren, da viel zu hohe
Konzentrationen an Erregern verwendet wurden und dieses nicht der Realität entsprechen konnte.
3. Sulfonamid Versuche in Ravensbrück
Diese Experimente wurden von Juli 1942 bis September 1943 durchgeführt. Anlass dafür war der Tod des Leiters des
Reichssicherheitshauptamtes, R. Heydrich, der Verletzungen eines Attentates erlag und angeblich! keine intensive
Behandlung mit Sulfonamiden (chemotherapeutisches Arzneimittel gegen Infektionskrankheiten) bekommen
hatte.
So wurde der Auftrag zur Überprüfung der therapeutischen Wirksamkeit an Häftlingen eines
KL in die Hände von Prof. Dr. Karl Gebhardt und seinen Assistenten Dr. Fischer und Dr. Oberheuser gegeben.
Versuchspersonen (meist polnische Frauen) wurden absichtlich Wunden zugefügt, in die
Staphylokokken, Gasbrandbazillen, Tetanusbazillen und Erreger-Mischkulturen injiziert wurden. Es wurden Einschnitte in den Unterschenkel
der Frauen, die oft bis zum Knochen gingen, vorgenommen und um die Infektion zu verstärken, wurden Holzspäne und
pulverisierte Glasscherben gewaltsam in die Wunde gebracht. Nach der Setzung der künstlichen Infektion begann die
Behandlung mit Sulfonamid, wobei die Betroffenen Personen oft qualvolle Schmerzen erleiden
mussten bis eine eventuelle Verbesserung eintrat, was jedoch in den seltensten Fällen
eintrat. So blieben oft, beim tatsächlichen Überleben, schwere Schädigungen zurück.
Es wurden keine neuen wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen, da Gerhard Domayk bereits den Nobelpreis
1939, für die Entdeckung und Erforschung des Sulfonamides erhalten hat und 1942 differenzierte Einsichten
über die Wirkungen (einschließlich Nebenwirkungen) von Sulfonamiden vorlagen.
4. Höhendruck- und Unterwasserversuche in Dachau
Dr. Sigmund Rascher (Stabsarzt der Luftwaffe) wurde mit dem Versuch beauftragt, die Reaktions-
und Lebensfähigkeit
des Menschen in großen Höhen, bei raschem Aufstieg (bis 20 km und mehr), sowie beim plötzlichen Fall aus großer
Höhe, festzustellen. Unterdruckkammern der Luftwaffe wurden nach Dachau gebracht und zwischen Block 5 und
den
danebenliegenden Baracken vollkommen isoliert. Der Versuchswagen, "Himmelfahrtswagen"
genannt, beinhaltete Druck-, Temperatur- und Höhenmessgeräte, womit man auch einen plötzlichen Druckabfall,
Sauerstoffentzug und schwerste physische Belastungen auf den Probanden ausüben und messen konnte. 70 - 80 (von 200)
Personen starben während des Versuches. Nach Eintreten des Todes wurden die Opfer sofort seziert, wobei Rascher einmal feststellte,
dass das Herz bei der Sektion noch schlug, was er sofort ausnutzte und eine Reihe von tödlichen Sonderversuchen unternahm, um zu erfahren, wie lange ein
menschliches Herz, nach der Tötung noch "rege" sei. Die ersten Versuche wurden an Häftlingen des
Arbeitseinsatzbüros, später an Neuankömmlingen unternommen. Diese Experimente waren sehr unwissenschaftlich, da oft nur äußerlich erkennbare Reaktionen und
Symptome beschrieben wurden und unqualifizierte Sektionen durchgeführte wurden.
Aufschlüsse über physiologische Bedingungen und mögliche Schutzmaßnahmen wurden nicht gewonnen
Prof. Dr. Holzlöhner und Dr. Rascher erhielten am 8. Oktober den Auftrag: "Die Wirkung der Abkühlung auf den
Warmblüter" zu untersuchen, um in Seenot geratenen Fliegern besser helfen zu
können. Die Experimente vollzogen sich in 2 Perioden:
1. Periode: Die Versuchspersonen wurden bekleidet oder nackt in kaltes Wasser von 4 - 9 Grad gelegt, bis sie erstarrten.
(Messungen der Temperatur erfolgte thermoelektrisch rektal) (Zahl der Versuchspersonen 50 - 60, Todesopfer: 15-18)
2. Periode: Rascher wendete noch zusätzlich andere Methoden an: Häftlinge wurden nackt bei 20 - 25 Grad minus stündlich
mit Wasser überschüttet und die Nacht ins Freie gelegt. Da das Schmerzensgebrüll
allzu viel Unruhe hervor rief, wurden sie schließlich narkotisiert. (Zahl der Versuchspersonen 220-240 Mann, von November
1942 bis Mai 1943, Todesopfer: 65-70)
5. Sterilisationsversuche im KL Auschwitz
Drei verschiedene Versuchsreihen hat die SS- Führung in Gang gebracht, um ein Verfahren zu entwickeln, mit dessen Hilfe
man unauffällig, rasch und nachhaltig große Menschenmassen sterilisieren kann.
1.Versuch
Dieser gründet auf der Veröffentlichung von tierexperimentellen Ergebnissen (Firma Madaus & Co, Dresden -
Radebeul) mit dem Extrakt der südamerikanischen Schweigrohrpflanze (Caladium seguinum), die die Tiere unfruchtbar
werden ließ.
Dr. Fehringer und Dr. Adolf Pokorny wurden veranlasst:
- keine Publikationen über Experimente anzufertigen
- Vermehrung der Pflanze in Gewächshäusern
- sofortige Versuche an Menschen (Verbrechern!) um Dosis und die Dauer der
Behandlung feststellen zu können
- rasche Ergründung des Wirkstoffes
- synthetische Herstellung
Es traten aber enorme Schwierigkeiten, die Pflanze auf deutschen Boden zu züchten, auf, so das diese Methode
zum Erlahmen kam.
2. Versuch
Dr. Horst Schuhmann beschäftigte sich, nachdem die Vergasung von Geisteskranken seine Zeit nicht mehr
ausfüllte, mit der Einwirkung der Röntgenstrahlen auf menschliche Keimdrüsen.
Himmler unterstützte persönlich seine Pläne durch die
"Zurverfügungstellung" der entsprechenden "Materialien" im Konzentrationslager Auschwitz.
Schuhmann holte sich arbeitsfähige Juden im Alter von 20 - 24 Jahren und setzte sie an den Geschlechtsteilen
15 Minuten der Wirkung der Strahlen aus, wobei sie anschließend wieder arbeiten geschickt wurden.
Verbrennungen und Vereiterungen waren oft die Folge. Nach 2 bis 4 Wochen wurde das Opfer kastriert, um
die Hoden sezieren und mikroskopisch untersuchen zu können. Es sind keine Angaben bekannt, wie viele Menschen qualvoll umgekommen sind.
3. Versuch
1942 wurde dem SS-Brigadeführer Prof. Dr. Clauberg durch Himmler und Obergruppenführer
Glück das KL Auschwitz
für seine Lösung der Judenfrage zur Verfügung gestellt.
Bereits im Juli fuhr Clauberg nach Ravensbrück, um sich dort jüdische Frauen für seine Experimente "auszusuchen".
Clauberg spritzt den Frauen während einer "allgemeinen gynäkologischen" Untersuchung eine chemische
Reizflüssigkeit in die Gebärmutter, (oft bis an das Ende des Eileiters, in mehreren Fällen bis in die Bauchhöhle), welche
zur Verklebung und zur völligen Zerstörung des Eileiters führte. Die Wirksamkeit seiner Methode wurde mit Hilfe
von Röntgenaufnahmen festgestellt.
So schien es Clauberg möglich zu sein: "von einem entsprechend eingeübten Arzt, an einer entsprechend eingerichteten Stelle
mit vielleicht 10 Hilfspersonen höchst wahrscheinlich mehrere hundert - wenn nicht gar 1000 - Frauen an einem Tag zu sterilisieren".
6. Fazit
1944 endete das gesamte Sterilisationspragramm der SS in den Schriftstücken über nichteingestandene
Misserfolge und doch weiter erhofften Aussichten. Alle Humanexperimente haben keine neuen
wissenschaftlichen Erkenntnisse erbracht und dienten vordergründig zur Qual und Folter der Häftlinge in den
Konzentrationslagern. Wobei man mit so einer Skrupellosigkeit vorging, dass man dieses weder verzeihen, noch verstehen kann.
Alle moralischen Vorsetze unterlagen dem blinden Gehorsam zu den oft "maskierten" Auftraggeber, wobei jegliche Gefühle, wie Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft keine Rolle mehr spielten, sondern nur vermeintlich
wissenschaftliche Neuerungen und Ergebnisse ausschlaggebend waren. Jedoch wurden durchaus "praktische Ergebnisse" erzielt:
Hunderte Tote, Gequälte und Verstümmelte.
verfasst von: Susann Gasse
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