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Juden in Brandenburg-Preußen in der Zeit der Aufklärung

Die Aufklärung legte den Grundstein für den Durchbruch in der Politik gegenüber den Juden. Trotz der aufklärerischen Grundhaltung Friedrich Wilhelm I. ließen sich gewichtige Unterschiede bei der Aufnahme verschiedener Volksgruppen in Brandenburg erkennen. Die 50 jüdischen Familien, denen er 1671 den Zuzug gewährte, mussten ein bestimmtes Vermögen nachweisen und wurden für 20 Jahre mit Privilegien ausgestattet, die zur „Förderung des Handels“ dienen sollten, während andere Gruppen ohne einschränkende Auflagen willkommen waren.
Durch den Zuzug sollte die wirtschaftliche Entfaltung des Landes gefördert werden. Doch unterlagen die Juden auch gesonderten fürstlichen Maßnahmen, z. B. einer hohen Steuerzahlung. Nach der Förderung des Warenhandels erweiterte der Staat jüdische Betätigungsmöglichkeiten, indem er einige Juden zur Anlage von Manufakturen und zur Ausübung von Handwerken ermutigte. Doch Friedrich Wilhelm I. machte deutlich, dass ihm nur an reichen Juden gelegen war, denn die Aufnahmezulassung wurde an einen Vermögensnachweis in Höhe von 1000 Talern gebunden. Nur ein Kind bekam die Erlaubnis zu heiraten und dies auch nur unter einer hohen Abgabeleistung. 1730 trat das Generalprivileg in Kraft, welches die Zahl der jüdischen Familien, die in Berlin wohnen durften, auf 100 beschränkte. Das Generalprivileg von 1750 verschärfte die Bestimmungen gegen die Juden weiter. Da Friedrich II. die Vermehrung der Juden unterbinden wollte, verwies er sie ohne einen Schutzbrief des Landes. Familien, die den Schutzbrief auf ein 2. Kind übertragen wollten, mussten ab 1769 70000 Taler bezahlen. Doch ist bemerkenswert, dass er den Juden die Genehmigung zur Anlage von Manufakturen und anderen Gewerben gestattete. Geschäftsbücher mussten geschrieben werden und die Annahme eines bürgerlichen Namens wurde zur Pflicht gemacht. Besondere Verdienste um die Krone brachten einigen Juden sogar die Gleichstellung, ihnen wurde der preußische Staatsbürgerbrief verliehen.
Die Berliner Juden waren im Großen und Ganzen gekennzeichnet durch ihre „privilegierte“ Machtlosigkeit, die sich schon allein an der Tatsache festmachen lässt, dass sie die Stadt nur durch ein einziges Tor betreten durften und dafür auch noch „Leibzoll“ entrichten mussten.
Trotz dieses Lebens zwischen Edikten und Privilegien entwickelte sich die jüdische Gemeinde Berlin zu einem der wichtigsten Zentren des deutschen Judentums.
 

Moses Mendelssohn

Auch Moses Mendelssohn siedelte 1743 nach Berlin über. Geboren wurde er am 06. 09. 1729 in Dessau. Neben dem traditionellen Talmudstudium eignete er sich auch „weltliches“ Wissen an, welches sich in der Aneignung von Sprachen und in der Beschäftigung mit Philosophie und Naturwissenschaften äußerte. Seine Auseinandersetzung mit der jüdischen Vergangenheit brachte ihn zu der Erkenntnis, dass es notwendig sei, sich dieMendelssohn moderne europäische Kultur und Philosophie anzueignen. Somit lässt sich verdeutlichen, dass er ein Anhänger der Ideen der Aufklärung war und sich um das Aufbrechen der kulturellen Isolation seiner Glaubensgenossen bemühte. Um dieses Ziel zu erreichen, übersetzte er die 5 Bücher Mose ins Deutsche und wurde somit zu einer überragenden Gestalt im Judentum.
Mit seinem Ideal der Assimilation und Emanzipation begann ein Prozess der Trennung von Judesein in der Privatsphäre und Deutschsein im bürgerlichen und kulturellen Leben.  Er wurde zum Repräsentanten der deutsch-jüdischen Assimilation und somit liegt seine Bedeutung in seinem Versuch, die Juden in die deutsche Kultur zu integrieren, ihren Anspruch auf Gleichberechtigung zu begründen.
Seine Hoffnung war, dass eine Synthese von Judentum und Deutschtum möglich sei. Diese humanistisch begründete Hoffnung der Aufklärung blieb der Grundpfeiler für die kommenden Generationen der Juden in Deutschland.
Mit der Aufklärung endete für die Juden in Europa das Mittelalter, die Forderungen nach Toleranz, besonders gegenüber der jüdischen Bevölkerungsgruppe, mehrten sich und die Umsetzung dieses Toleranzgedankens der Aufklärung begann in der 2. Hälfte des 18. Jh. und dauerte über 100 Jahre.
 

Der Weg zur jüdischen Emanzipation

Durch den Einfluss der Aufklärung und der Französischen Revolution verspürten die Juden den Drang nach einer Veränderung ihrer rechtlichen Stellung. Auch aufgeklärte Politiker sowie die führende Beamtenschaft traten dafür ein, den Juden Bürgerrechte zuzugestehen. Für die Befreiung der Juden aus ihrem unterprivilegiertem Status entstand in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts der Begriff „Emanzipation“.
 

Das Preußische Emanzipationsedikt

Dieses Reformwerk von 1812 war das Ergebnis der vernichtenden Niederlage gegen Napoleon. Preußens ökonomische und militärische Macht konnte nur durch eine Modernisierung des Staates wiederhergestellt werden. Somit mussten die Standesschranken wie Leibeigenschaft, Zunftzwang und Sonderrechte für Juden aufgehoben werden. Durch das Emanzipationsedikt vom 11.03.1812 erlangten die preußischen  Juden Bürgerrechte. Die Juden wurden mit Generalprivilegien, Naturalisations-Patenten, Schutzbriefen und Konzessionen versehen und waren fortan von anderen zu achten. Außerdem bekamen alle Juden einen neuen festgelegten Familiennamen, den sie selber aussuchen konnten. Nun sollten die Juden bei Führung ihrer Handelsbücher und bei Abfassung ihrer Verträge und rechtlichen Willenserklärungen die deutsche oder lateinische Sprache anwenden. Wer als Jude irgendwelchen Vorschriften zuwider handeln sollte, würde als fremder Jude gelten, derjenige der jedoch alle Vorschriften einhielte bekäme die gleichen bürgerlichen Rechte und Freiheiten wie den Christen zugesprochen. Auch wird den Juden zugestanden akademische Lehr- und Schul- und Gemeindeämter zu verwalten. Die Zulassung zu Staatsämtern sollte jedoch erst in der Folgezeit gesetzlich bestimmt werden (dazu kam es jedoch nie). Die Juden konnten frei in Städten oder auf dem  Lande leben sowie Grundstücke jeder Art erwerben und alle erlaubten Gewerbe betreiben. Diese Gewerbefreiheit galt auch für den Handel. Hinzu kommt, dass alle obliegenden bürgerlichen Pflichten zu erfüllen waren, sie (die Juden) gleiche Lasten wie andere Staatsbürger zu tragen haben und nicht mit besonderen Abgaben belastet werden dürfen. Außerdem sind die Juden gleichfalls der Militärkonskription  unterworfen. Ehebündnisse können einheimische Juden ohne besondere Genehmigung unter sich schließen. Eine solche wird jedoch benötigt, wenn ein einheimischer Jude eine ausländische Jüdin heiraten will. Durch die Heirat mit einer einheimischen Jüdin erlangt aber kein fremder Jude das Recht, sich in der hiesigen Stadt niederzulassen. Eine Belastung für den Emanzipationsprozess war, dass die Reformen von oben und nicht von einer politischen Bewegung getragen wurde.
Mit dem Edikt von 1812 hatte die Judenemanzipation einen vorläufigen Gipfel erreicht. Die jüdischen Gemeinden reagierten nun mit Forderungen nach inneren Reformen.
 

Lessing – „Nathan der Weise“

G. E. Lessing ist der bedeutendste Repräsentant der deutschen Aufklärung. Er wurde als Kritiker, Dramatiker, LessingLiteraturtheoretiker und bürgerlicher Ästhetiker bekannt. Er schrieb Fabeln, Artikel für Zeitungen, kirchenkritische Briefe, Lustspiele und Dramen. Eines seiner bekanntesten Dramen ist das in den Jahren 1778 und 1779 entstandene Werk „Nathan der Weise“.

Die Handlung des Dramas

Das Stück „Nathan der Weise“ spielt im Jahr 1192 während des dritten Kreuzzuges in Jerusalem . Dort residiert Sultan Saladin. Dieser verteidigte die Stadt gegen die angreifenden christlichen Ritter des Templerordens . Einige von ihnen hat Saladin gefangen genommen und hinrichten lassen. Einen hat er allerdings verschont, weil der ihn an seinen verschollenen Bruder Assad erinnerte. Dieser darf sich nun frei in Jerusalem bewegen  und verliebt sich in Recha, die Adoptivtochter des reichen Juden Nathan, nachdem er diese aus den Flammen ihres brennenden Hauses gerettet hat. Am Ende stellt sich heraus, dass der Tempelherr und Recha Geschwister und Kinder von des Sultans Bruder Assad sind, welcher eine Deutsche geheiratet hatte und ihr in ihre Heimat gefolgt war. Er war später im Heiligen Land gefallen. Dieser Familiengeschichte entspricht eine Gleichniserzählung in der Mitte des Stücks, die Geschichte von den drei Ringen. Mit ihr versucht Nathan dem Sultan klarzumachen, warum keine der drei Religionen Judentum, Christentum, Islam den Anspruch erheben kann, die absolute Wahrheit zu besitzen. Vielmehr könne sich Wahrheit nur im Handeln des Menschen erweisen, der das Gute tut.

verfasst von: Katja Fehrle, Katja Reichel und Karen Lantzsch
 
 

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