|
| |
Die Synagoge - das Gotteshaus der Juden
Begriff Synagoge Das griechische Wort
"synagoge" übersetzt den hebräischen Ausdruck "eda", der soviel bedeutet wie "die sich versammelnde Gemeinde". So ist die Synagoge ein Haus der
Versammlung / der Zusammenkunft.
Entstehung von Synagogen Synagogen entstanden nach der Zerstörung des Ersten
Tempels und dienten seither als Ort
des jüdischen Gottesdienstes. Sie ist immer nach Jerusalem ausgerichtet (in
Europa in West-Ost- Richtung). Gottesdienste finden jeweils morgens, mittags und abends statt, wozu sich
mindestens zehn religionsmündige Männer einfinden müssen. Es gibt keine
Glocken, welche den Gottesdienst einläuten. In Zeiten der Ghettos
lief der ,,Klopfer", ein Synagogendiener
(Schammasch/Schammes), von einem Haus
zum anderen, um die Gläubigen zum Gebet zu rufen.
Nach dem Babylonischen Exil wurde durch die Reformen des Esra die Toralesung
eingeführt. Der Gottesdienst läuft nach dem ,,Siddur", dem Gebetbuch,
welches aus einer Sammlung von Toraabschnitten, Psalmen und Sprüchen besteht,
ab. Der Vorbeter bzw. Kantor und ein weiteres Gemeindemitglied wechseln sich
beim Vorlesen daraus ab. Der Kantor (Chasan) gilt als Schaliach Zibur
(,,Gesandter der Gemeinde") und wendet sich im Sinne der Gemeinde an Gott.
Das "Schma Israel"
ist neben dem Glaubensbekenntnis das wichtigste Gebet im täglichen
Gottesdienst. Während des Gottesdienstes wird mehrmals Kaddisch gesagt.
Aufbau
einer S ynagoge
| Toraschrein
Lesepult (Almemor / Bima)
Frauengalerie
Sitzplätze |
Die Heilige Lade (Aron hakodesch, Hechal): ein Behälter, in dem die
Torarollen aufbewahrt werden. Befindet sich an der Ostwand der Synagoge,
entweder freistehend oder in einer Nische oder Apsis. Meist führen Stufen zur
Heiligen Lade hinauf. Die Heilige Lade selbst ist von einem Vorhang
verhüllt.
Der Almemor (Bima, Tewa) ist eine Plattform oder ein Tisch, von dem aus
die Torarollen verlesen werden. Die Plattform ist meist über Stufen an zwei
Seiten zu erreichen und mit einem Geländer umgeben. Die Bima ist der
Einrichtungsgegenstand, welcher die Anlage einer Synagoge am meisten
beeinflusst. Der Vorsteher liest von dort während des Gottesdienstes aus den
Torarollen und leitet die Gemeinde an, sich beim Gebet nach Jerusalem zu wenden.
Der Tisch muss groß genug sein, um die Rollen darauf ausbreiten zu
können, im
allgemeinen steht er auf einer erhöhten Plattform, die von einem Bimagitter
umgeben ist. Der Tisch soll aus Holz sein. Die Männer saßen
seitlich der Bima. Dies war den Frauen vorenthalten, für welche es deshalb
separate Räume im hinteren Teil der Synagoge bzw. später auf den Emporen gab.
Jeder Mann kann zur Lesung aufgerufen werden, was für den Betreffenden eine große
Ehre darstellt, aber meist übernimmt dies der Vorleser, da die Lesung in einem
bestimmten Tonfall, nach strengen Vorschriften erfolgen muss. In den Ghettos waren Synagogen der Mittelpunkt jüdischen Lebens. Da sie nicht höher
als nichtjüdische Gebäude sein durften, wurden viele Synagogen weit unter Straßenniveau
gebaut, um ein gewisses Raumvolumen zu erlangen. Erst im Zuge der Emanzipation
entstanden im Deutschland auch monumentalere Synagogenbauten wie die zum Teil
wieder aufgebaute Neue
Synagoge in Berlin.
verfasst von: Lysett Kießig
Archiketurgeschichtliche Betrachtungen
Die Frage nach den Anfängen der Synagogen ist bis heute immer noch ungeklärt, d. h. es ist nicht bekannt, wann und in welchen Bereichen die ersten Synagogen erbaut wurden. Man vermutet, dass sie als Ort für den Wortgottesdienst während der jüdischen Verbannung in Babylon (6.
Jh. v. Chr.; Babylonische Gefangenschaft) entstanden sind.
Das älteste archäologische Zeugnis, das Aufschluss über die Ursprünge der Synagoge gibt, ist eine ägyptische Inschrift aus dem 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Sie belegt, dass eine der wichtigsten
Funktionen der Synagoge im Lehren bestand. Die ältesten bekannten Synagogen (in Masada und
Herodium) in Palästina stammen aus dem 1. Jahrhundert nach unserer
Zeitrechnung. Bis zu seiner Zerstörung stand der Tempel im Mittelpunkt der jüdischen Religion. Eine eigene
Syna gogenarchitektur entwickelte sich erst ab dem 2. Jahrhundert. Dabei
wurden im Laufe der Zeit verschiedene Stilformen angewandt, welche sich oft an den Sakralbauten der Umgebung
orientierten. Somit wurden mittelalterliche Synagogen in Deutschland oft im romanischen oder
gotischen Stil erbaut oder erinnern an Renaissancekirchen in anderen Ländern ( wie z.B. die berühmte Spanisch-Portugiesische Synagoge in Amsterdam). Nur durch ihre größere Schlichtheit, das Fehlen der Kreuze und die Verwendung von typisch jüdischer Ornamentik ( sieben- oder achtarmiger Leuchter, Stern Davids, hebräische Inschriften) sind vielfach die Synagogen der letzten Jahrhunderte überhaupt von christlichen Kirchen zu unterscheiden. Im 19. Jahrhundert, in dem die meisten Synagogen in Deutschland erbaut wurden, wandte man sehr häufig
bewusst einen orientalischen sog. "maurischen Stil" an, welcher einen absichtlichen Gegensatz zur christlichen Sakralarchitektur
markierte und damit ein Mittel der Selbstdarstellung in einer Zeit neu erwachenden jüdischen
Selbstbewusstseins nach der Emanzipation darstellte. Beispiele dafür sind die großen Synagogen in Budapest oder Berlin.
Synagogentypen
Der erste Typus entstand wohl in Galiläa. Bei ihm ist die Fassade des Baus nach Jerusalem ausgerichtet. Eine Apsis oder Nische
war noch nicht vorhanden; die Schriftrollen wurden in einem Nebenraum aufbewahrt und nur zum Gottesdienst hereingebracht. An der Rückwand der dreischiffigen Halle waren Steinbänke entlang der Seitenwände angebracht. Eine Treppe, welche sich in einem turmartigen Anbau befand, führte zur Frauenempore, die oberhalb der Säulenumgangs lag.
Der Breithaustyp war der zweite Typus. Der Eingang lag nun an einer der beiden Schmalseiten des Gebäudes und die nach Jerusalem zugewandte Längsseite erhielt eine Apsis oder Nische als ständigen Platz für den Thoraschrein.
Die dritte Form wird Basilikengrundriss genannt. Man gelangte durch eine Vorhalle oder Atrium in den Hauptraum, der durch zwei Säulenreihen in drei Schiffe
geteilt war. Die Steinbänke für die Beter befanden sich an den Seitenwänden. Die nach Jerusalem ausgerichtete Schmalseite lag dem Eingang gegenüber und hatte die Form einer Apsis, die den
Toraschrein enthielt.
verfasst von: Mareen Griebenow
Nähere Ausführungen zum Thema Synagoge finden sich unter http://www.payer.de/judentum/jud506.htm
http://www.talknet.de/~chajmg/synagge.htm
Zur
Startseite
| |
|